Ich kann zwar bei meiner Arbeit auf solide Kenntnisse der deutschen Rechtschreibung und auf gesammeltes Wissen in einer großen fachlichen Bandbreite zurückgreifen, entscheidend ist jedoch das Bewusstsein, dass ich vieles, sehr vieles, nicht weiß, und dass ich mir niemals sicher sein darf.
Was auf den ersten Blick wie ein eindeutiger Fehler aussieht, vielleicht nur ein Vertipper, soll vielleicht genau so da stehen. Der zweite Blick ist essenziell. Eine Recherche oder eine Frage an den*die Autor*in bringt Klarheit und gewährleistet, dass in einen korrekten Text nicht nachträglich Fehler eingebaut werden.
Ein paar Beispiele:
Beim Korrektorat des Geschäftsberichts eines großen Logistikunternehmens ist mir die Abkürzung TEU ins Auge gesprungen. Erster Gedanke: Ist hier nicht TEUR gemeint – die im selben Dokument benutzte Abkürzung für 1000 Euro?
Ein zweiter Blick und eine rasche Recherche haben gezeigt: TEU war richtig. Es ging nicht um den Wert, sondern um die Menge transportierter Güter, gemessen in Containern. TEU steht für: Twenty-Foot Equivalent Unit. Das entspricht einem Norm-Container, wie er in der Schifffahrt eingesetzt wird.
Bibliotheken sind weit mehr als Räume voller Regale voller Bücher. Wie viel mehr, wie viel komplexer, wurde mir beim Lektorat des Jahresberichts einer Institution im Bibliotheksbereich bewusst. Im Zusammenhang mit Datenmengen gespeicherter elektronischer Medien bin ich über die Abkürzung TiB gestolpert. Müsste da nicht TB (Terabyte) stehen?
Nein. Eine kurze Recherche bringt neues Wissen in meinen Speicher: TiB oder „Tebibyte“ ist eine Einheit für Datenmengen. 1 TiB entspricht 240 Bytes. Diese Präfixe für binäre Einheiten gibt es erst seit 1998.
Dezidiert ist so ein Wort, das im allgemeinen Sprachgebrauch oft Schwierigkeiten bereitet. Da kann schon einmal „dediziert“ draus werden. Und dann gibt es ja auch noch „deduzieren“.
Ein „dediziert“ in einer wissenschaftlichen Arbeit im technischen Bereich ist aber kein Grund, gleich den Rotstift zu zücken – eher ein Anlass für einen Kommentar mit einer Frage an den Autor.
Somit weiß ich jetzt, dass es im IT-Bereich zum Beispiel sogenannte „dedizierte“ Server, Speicher oder Hosts gibt. Die sind bestimmten Zwecken gewidmet oder Bereichen zugeordnet. Dedizierte – für bestimmt Zwecke gewidmete – Flächen sind mir auch schon im Kontext der Verkehrsplanung begegnet.
Genauigkeit im Lektorat bedeutet auch, alles zu hinterfragen und nachzuprüfen.
Eine verlässliche Lektorin bin ich nicht, weil ich von vorneherein weiß, wie’s richtig ist, sondern weil ich es wissen will. Das Ergebnis: korrekte Texte für meine Kund*innen – und für mich ein spannender Beruf, bei dem ich täglich Neues lerne.